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Slacklines erfreuen sich seit einiger Zeit wachsender Beliebtheit: Beim Balanzieren über das (gerade im Vergleich zum Seiltanzen) relativ lockere Seil ist Geschick und Körperbeherrschung gefragt, und auch der Aufbau bringt einige Tücken mit sich.

Worum geht's?

Stefan auf der Slackline

Beim Slacklinen geht es darum, auf einem gespannten Schlauchband zu balancieren, zu laufen und kleinere Tricks zu probieren. Der Strang ist dabei nicht ganz straff gespannt wie die Drahtseile beim Seiltanzen, sondern hängen etwas durch, so dass eine ganz andere Herausforderung entsteht.

Am Anfang hat man ernsthafte Probleme, auch nur die Balance auf dem wackligen Seil zu halten, doch nach einiger Zeit schafft man es dann doch, einige Schritte zu laufen. Die Profis haben natürlich noch ganz andere beeindruckende Tricks drauf, wie man auf folgenden Videos sieht:

Stefan kniet auf der Line

Was braucht man?

Graue Theorie

Neben zwei festen Punkten, an denen man die Line befestigen kann, benötigt man vor allem sehr stabile Materialien. Je straffer die Line gespannt ist, und je weniger sie damit durchhängt, desto größer werden die Kräfte.

Kräftedreieck
Kraftberechnung

Je weiter also die beiden Ankerpunkte voneinander entfernt sind, und je waagerechter das Seil verläuft, desto stärker zerren die Kräfte am Seilmaterial. Aus diesem Grunde kommen für die Konstruktion der Slackline nur hochfeste Materialien aus dem Industrie- oder Kletterbereich in Frage: Einfache Seile (z.B. Abspannseile) können die Belastung nicht halten, und billige Materialkarabinerhaken können zu lebensgefährlichem Geschossen werden (Die in synthetischen Seilen gespeicherte Energie sollte wohl aus nicht allzuferner und tragischer Vergangenheit bekannt sein).

Schon bei einer durchschnittlichen Belastung von 80 Kilogramm wird eine 10 m lange Slackline extrem belastet, sofern sie nur einen halben Meter durchhängen soll: Es zerren bereits 8039,90 Newton am Seil, was einem statischen Gewicht von 800 kg entspricht. Soll der Durchhang nur 20 Zentimeter betragen, steigt die Seilbelastung bereits auf 20015,99 Newton, einer Kraft, wie sie 2 Tonnen aufbringen.

Slackline selbstgebaut

Anke auf Spanngurt

Als günstige Variante zu fertigen Slackline-Sets bieten sich LKW-Zurrgurte an. Diese sind zwar etwas breiter und starrer als übliche Slacklines, was Anfängern jeoch sicherlich entgegenkommt :-). Mit der beigefügten Ratsche lassen sich sie sich zudem gut spannen: Hier muss man natürlich wieder auf die Belastbarkeit achten, denn sollte sich die Ratsche aufgrund von Überbelastung zerlegen, können die Metallteile auf enorme Geschwindigkeiten beschleunigen. Die Gurthersteller geben bei ihren Produkten meist zwei Werte an: Zum einem die Belastbarkeit in der Umreifung (was für unsere Anwendung hier uninteressant ist), und die maximale Kraft im geraden Zug: Beide Werte werden üblicherweise in Dekanewton (1 DaN = 10 N) angegeben. Oftmals liest man nur den Umreifungswert, der meist das doppelte des Zugwertes beträgt: Hier muss man genau nachschauen, welche Kräfte der Gurt nun wirklich aushält - um diese Werte dann beim Aufbau großzügig unterschreiten, denn beim Laufen auf der Line steigen die Kräfte natürlich weiter an, ebenso wie der Gurt natürlich auch mit der Zeit Festigkeit einbüßt.

Zudem muss der Spanngurt natürlich auch irgendwie an Bäumen, Pfosten oder anderen Dingen befestigt werden, die diese Belastung ebenfalls aushalten: Zur Befestigung an Bäumen bieten sich Bandschlingen an, wie sie im Kletterbereich benutzt werden, außerdem sollte man dem Baum zuliebe etwas weiches unterlegen, um die Rinde zu schonen. Die Verbindung zwischen Bandschlinge und Spanngurt kann man mit Schäkeln herstellen, die natürlich auch die geforderte Festigkeit haben müssen, oder man bedient sich wiederum Schraubkarabinerhaken aus dem Klettersektor.

  • LKW-Spanngurt, Länge 8 Meter, Zugkraft mindestens 2,5t bzw. 2500daN (im gerade Zug)
  • 2 Bandschlingen, Länge 120cm (je nach Befestigungspunkt), Belastbarkeit mindestens 22kN (2200daN)
  • 2 Schäkel, passend zum Spanngurt, Belastbarkeit ebenfalls mindestens 2,5daN, alternativ Schraubkarabinerhaken (am besten aus Stahl)
  • 2 4m lange Stücke Reepschnur (5-6mm) zur Rücksicherung der Metallteile

Die Reepschnurstücke werden zusätzlich an den Fixpunkten (Bäume o.ä.) befestigt (Ankerstich), und anschließend mit den Metallteilen, also der Ratsche und den Karabinerhaken verbunden. Diese Rücksicherung soll verhindern, dass bei einem Riss der Baumschlingen die Metallteile zu Geschossen werden.

Und weiter?

Die nächste Entwicklungsstufe besteht darin, den Spanngurt durch ein Schlauchband zu ersetzen. Die Firma Edelrid verkauft unter dem Namen "X-Tube" ein Band, dass sich als besonders geeignet herausgestellt hat: Im Gegensatz zum Zurrgurt verfügt es über eine stärkere Eigendehnung, wodurch sich ein "interessanteres" Laufgefühl ergibt - Außerdem ist es nur noch halb so breit, nämlich 25mm :-)

Schlachband mittig in der Ratsche Schlachband per Mastwurf am Karabinerhaken befestigt

Um das Schlauchband zu spannen, gibt es mehrere Möglichkeiten: In das fixe Ende kann man einfach einen Karabinerhaken per Mastwurf einknoten und in die Baumschlingen einklinken. Je nach Art und Beschaffenheit der Ratsche kann man nun das schmale Schlauchband direkt in das Gerät spannen, oder man knotet es an das Ende des Spanngurtes, so dass dieser wiederum durch die Ratsche läuft. Spannt man das Band direkt, so muss man unbedingt darauf achten, dass es sich gerade auf der Spule aufwickelt, und sich auch nicht verkantet.

Schlussendlich

Da auf den verbauten Teilen starke Kräfte wirken, sollte man natürlich stets vorsichtig mit der Slackline umgehen, und alle Komponenten vor Gebrauch auf Beschädigungen untersuchen. Probiert das ganze erstmal in Ruhe aus, bevor ihr eure Kids auf das Ding loslasst - Ich übernehme keine Haftung für Schäden, die aus dem Befolgen dieser Anleitung resultieren. Seid sorgsam und vorsichtig beim Aufbau, dann habt ihr beim Gebrauch auch eine Menge Spaß :-)